Auf dieser Unterseite will ich etwas nicht in Vergessenheit geraten lassen: Ganz viele Worte und Sprüche stehen hier. So halte ich die Erinnerung an damals fest. Es darf auch gelacht werden. Im Bild mein Neffe, der am Metallrahmen des Kinderwagens lutscht.
Etwas Geheimsprache: Fe-pe. Das war übrigens eine Liebeserklärung meiner Eltern.
Eine kleine Kostprobe: Weil mein Vater an Jesus gläubig war, sagte er: "A. Richter sagte: Einmal gesungen ist zweimal gebetet." Ich glaube, meine Mutter sagte "neblicht" statt "neblig"; "Kassaschmarrn" statt "Kaiserschmarrn".
Lustig, was mein Vater gesagt hat:
Vati sagte: "Schnurz-piepe" Und: "Geschonken gekrochen." Und: "Lasst uns mal frische Luft schnappen."
Vati sagte mal, als er noch ein Kind von vielleicht 10 und sein kleinerer Bruder Gerhard ein wenig jünger als er, also vielleicht 8 war: "Eigendoofheit ist die schlimmste Doofheit." - Und Gerhard hat das getroffen, weil er dachte, er hätte nun jene "Eigendoofheit".
Vati fragte - als Rätsel: Wie groß ist der Ägi (Ägidientorplatz in der City von Hannover)? - Antwort: Von der "Nordsee" bis zum "Mond". - Nordsee war ein Fischrestaurant an dem einen Ende des Ägi, Mond war (glaube ich) eine Kneipe am anderen Ende.
Vatis Dialekt war von früher ein schlesischer, was im Folgenden deutlicher zum Ausdruck kommt. Er sagte: "Du kippelst ja! Das ist kipplig." - Er sagte ganz knapp: "Es ist vier vor dreiviertel." (Minute 41) - "Dreiviertel viere." (Viertel vor vier, dasselbe wie 3 Uhr 45)
Vati sagte zum Scherz: "Gnullu rullu luklaklak - macht's Wieserwasserla." (Das kommt wohl aus dem Schlesischen. Er hatte eine Menge Humor!)
Originalton Vati: "Kannst du mal die Tür rummachen?" Sollte heißen, dass er die Tür ganz geschlossen, "zumindest" aber angelehnt haben wollte..
"Du hast gekliert!" heißt: Du hast gekleckert. Vllt. von Gromi.
Vati erzählt: Ein Sachse und ein Schwabe stehen unterm Eiffelturm. Der Schwabe: "Ei guck ma, der Eiffelturm!" - Der Sachse: "Aus was ist'n der?" Der Schwabe: "Aus Gusch-Eiße." - (Der Schwabe spricht das zwar so aus, möchte aber von Guss-Eisen sprechen. Der Sachse versteht aber: aus Kuhscheiße) Der Sachse also: "Äh, hält'n des?"
Beide Eltern scherzten folgendermaßen: "Wir kommen das ganze Jahr zu nichts: Im Frühjahr sind wir frühjahrsmüde. Im Sommer ist es zu heiß. Im Herbst gibts zu viel zu tun. Im Winter ist es wieder zu kalt. Im Frühjahr sind wir wieder ..." Das ging theoretisch endlos so weiter. Die Bibel:
Soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und
Weiteres von Vati
Vati zu mir, als ich klein war: Mopse, Schnickel, "Stephenson" (sprich: stihwensen). Die IPA-Lautschrift für "Stevenson" lautet:
/ˈßtiːvənˌsən/
Erklärung:
- /ˈstiːvən/ - Der Vorname "Steven" wird mit einem langen /iː/ Vokal ausgesprochen.
- /ˌsən/ - Der Nachname "son" wird mit einem kurzen /ə/ Vokal und einem stimmlosen /s/ Konsonanten ausgesprochen.
Vati sagte zu einem Bindfaden "Bändl". Ich glaube, auch Großmutti sagte so.
Drei oder vier von Vatis Lehrern waren ganz besonders eigen: Ein Lehrer bemerkte, dass Schüler mit etwas Kleinerem spielten. Er nahm solche Gegenstände - wohl für immer - an sich und sagte: "Gipps her, ich kanns brauchen!"
Vati sagte, als wir Kinder schon zur Schule gingen: "Einer meiner Lehrer sagte immer wieder: 'Latht dath (ich meine ein englisches "th"; er lispelte!) alberne Gegrinthe mit den Papierbällen unter der Bank.' - "
Vati sagte, als wir Kinder schon so ungefähr 10 Jahre alt waren: "Es schrieb ein Mann an eine Wand - Zehn Finger hab' ich an jeder Hand - Fünfundzwanzig an Händen und Füßen." - (Auflösung dieses Rätsels: 10 (echte) Finger hab' ich. An jeder Hand 5. Und 20 an Händen und Füßen. Finger im weiteren Sinn sind Finger und Zehen.)
Ich weiß nicht, ob es von meinem Vater stammt, aber man sagte bei uns "Portjuchee". Meine Vermutng ist, dass meine Großmutter das Wort spaßeshalber geprägt hatte. Was könnte "Portjuchee" sein?
Mein Vater sagte "verhältnismäßig". Zusammenhang: Zum Beispiel "verhältnismäßig groß".
"Was ist am dransten?" Bedeutet: Was ist jetzt am wichtigsten?
"Wer den Schaden hat, spottet aller / jeder Beschreibung."
Ich weiß noch, dass wir Kinder statt "Handtuch" "Händehandtuch" gesagt haben - und dann auch "Gesichtshandtuch", "Füßehandtuch" und "Gästehandtuch". - Eins von uns Kindern hat das Wort "ausruhnen" geprägt. Es war natürlich "ausruhen" gemeint. Wie immer man "ausruenen" "ausrunen" ausruhnen" schreibt, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.
Was wir außerdem noch geprägt haben, war das Folgende: Wenn einer von uns Kindern etwas sagte, von dem das genaue Gegenteil gemeint war, dann sagte derjenige einfach hinterher: "Na, natürlich in U!" - U steht für "Umgekehrt" und meinte das Wort mit genau gegenteiliger Bedeutung, also das Antonym. "findopposite.cpp". Schreib ein Quiz mit Abfrage dazu!
"Püppi püttern." - sagte irgendwer.
"Litfaläuse", sagte man zur Litfaßsäule.
In der Schulzeit sagte ein Lehrer über mich: "Stefan Siegmund-Schultze isst ein Brot mit Sulze!" – Ich muss dazu sagen, dass er für jedes Kind einen Reim hatte!
Schon alt: "Puppi Nase appenabbelt, Sägepäne auße Bauchepuult!" Ich übersetze: "Puppe die Nase abgeknabbert, Sägespäne aus dem Bauch gepult."
Vermischtes: "Füwi", sagte ich zu den Füßen. "Dinke-Dinke"=Die Schranke; das sagte ich.
Schwester
Lustig, was meine Schwester gesagt hat:
Meine Schwester (oder ich?) hat das folgende Gedicht von G. Britting "umgedichtet": "Die weldene Golt: Im Goltember ist alles aus Sepp: ..." - Kannst Du weiterdichten?
Die Blaue, die durch das Sonn hinrollt. Das Feldelstopp. Die Zaunenblume; schläfrig am Sonn. Das Kirch auf der Kreuze; der Baumel am Apf. Ob er fällt? Ob er hält? Da wirft ihn gewind der Schwind in die weldene Golt.
Sie, meine liebe Schwester, erfand das Wort "Fumm"; das sind fliegende Samen.
Sie oder ich sagte, als wir noch nicht 9 oder 10 waren, zu unserer Mutter: "Mutti, stell dir vor. Da gibt es Väter, die können laufen!" - Zur Erklärung: Unser Vater saß im Rollstuhl, und daran hatten wir Kinder uns gewöhnt. Wir Kinder dachten so vom Gefühl her, dass alle Väter im Rollstuhl sitzen würden!
Oma
Lustig, was meine Oma gesagt hat:
Omas Zeit: Man las irgendwo: "Die drei Adligen von Hannover? Kennst du die? - Seiermann von Stille, Lassermann von Ab, Bleibermann von Wech." - Dabei stolpert man übern spitzen Stein beim Lesen von "stille". Das soll heißen: man sagt nicht schtille, sondern stille mit s. Das ist Hannöversch Platt.
Oma: "Ich möchte mal bei dir anbucken." Ungefähr: Ich möchte mich mal an dich anschmiegen.
Oma: "I so will ich und so woll ich!"
Oma: "Das ist ja Mumpitz!" Gemeint war: Das ist Unsinn.
Oma: "Leg man da hin!" = sollte heißen: "Danke schön. Wenn du noch ein Geschenk für mich hast, dann leg das man da hin." (wenn ein Lob kam oder so).
Oma: "Ich lass' mir nichts aus der Hand nehmen. Ich bin doch kein Bremer!"
Bekannte
Katharina: Sie gebrauchte das Wort: "geschumpfen" - Partizip von "schimpfen". Und: "geschluffe" von "schlafen".
Peter Op.: Er klopfte solche Sprüche wie: "Du mieser, blöder Durchschnittsmensch."
Sie, die liebe Mutti, sagte, um uns den Dialekt näher zu bringen: "Kind, tritt nicht in Kuh-a-a." Das Mädchen: "Wat, Mama? (Platt)" - "Kind, tritt nicht in Kuh-a-a." - "Wat, Mama? (Platt)""Kind, tritt nicht in Kuh-a-a.":- "Wat, Mama? (Platt)" - "Mensch, sollst nicht in'n Kauschitt petten! (Platt)"
"Heißa-Juchei!"
Das Schönste, was Mutti jemals sagte, war: "Schmusebolzen!" Sie sagte zu mir: "Na, du Schmusebolzen." - wenn ich sie lieb umarmte. Ja, das war soo schön ...
Mutti hatte mit uns abends gesungen: "Guten Abend, ... Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt."
Mutti sang auch mit uns: "Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König."
Mutti hatte den folgenden lustigen Spruch bestimmt von ihrer Mutter: Leckersnabel is kompabel. Isst de Suppn mit der Gabel. Isst das Fleesch mit n Löppl. Leckersnabel issn Töppl.
Wenn der Kontext passte, sagte sie, die liebe Mutti: "Freu dich, Fritzchen."
Mutti: "Das kannst du machen, wie Sie woll'n."
Zum Spaß: "Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum." - Original: "... nicht weit vom Stamm."
Zu dem Brot, das vom Tisch auf die Butter- oder Marmeladenseite gefallen war, sagte Mutti: "O, die Schnitte Brot ist schon wieder auf die Sonntagsseite gefallen!"
Mutti zitierte auch Heinz Ehrhardt: "Der Baum hat Äste; das ist das Beste. Denn wär' er kahl, wär's nur ein Pfahl." Und: "In der Wüste, gleich links; da steht 'ne Büste, die Sphinx."
Mutti: "Wie heißt der Mann, der die kleinen Abfälle mit so einer langen Zange opptickt? Optiker! - Wie heißt der Arzt, der Dein Genick behandelt? Gynäkologe, sprich Genickologe. - Wie heißt der Arzt, der dir hilft, wenn Du auf den Arsch gefallen bist? Archäologe (sprich Arschiologe)."
"Raus aus Metz, Paris ist größer!", so sagte unsere Mutter, wenn sie meinte, wir sollten morgens aus dem Bett rauskommen.
Ich vermute, Mutti hat Worte wie Pudding zu "Punting", einfädeln zu "einfämeln" und Pittagsmause zu Mittagspause.verändert. Ja sogar zuletzt noch Ubbo-Emmius in "Ubbo-Emmilus". Ich bin sicher, dass Mutti die gleichnamige Straße in Leer meinte.
Plattdeutscher Witz
Einen Witz gab Mutti zum Besten: "Na, weeßte schon das Neuste?" - "Nee. Wat denn?" - "Wir haben schon ne ßiege!" - "Ja, wo ist die denn?" - "Im Schlafßimmer!" - "Wat denn, bei den Gestank?" - "Da muss die ßiege sich an gewöhnen!"
Mutti sagte das folgende englische Gedicht gelegentlich auf:
"Humpty Dumpty sat on a wall,
Humpty Dumpty did a great fall,
All the King’s horses and all the King’s men,
Couldn’t pick up Humpty Dumpty again."
Anmerkung dazu: Die älteste gedruckte Fassung von "Humpty Dumpty" erschien 1797 in Arnolds „Juvenile Amusements“. Sie lautet: „Humpty Dumpty sat on a wall, Humpty Dumpty had a great fall. Four-score Men (d. i.: 4*20=80) and Four-score more, could not make Humpty Dumpty whole before.“
Und das "Lied" sang unsere Mutter:
An de Eck steiht 'n Jung mit'n Tüddelband
In de anner Hand 'n Bodderbrood mit Kees
Wenn he blots nich mit de Been in'n Tüddel kümmt
Un dor liggt he ok all lang op de Nees
Un he rasselt mit'n Dassel op'n Kantsteen
Un he bitt sick ganz geheurig op de Tung
As he opsteiht, seggt he: Hett nich weeh doon
Is'n Klacks för so'n Hamborger Jung. (Hamburger Platt, wie ich hoffe)
Mutti sagte auch gelegentlich: "Schad' mein' Vadder gar nix, dass mick fröst! Warum koofta mich keene Handschn'!"
Mutti sagte: "Du hast ein Benehmen wie ein Gartenschlauch! Der hat auch keins."
Mutti (fast Originalton): "Ich schenk Dir ein goldenes Wart-ein-Weilchen und ein silbernes Nixchen in einem niemalenen Büchs-chen."
Ich, Stefan, sagte nach Aussage meiner Mutter: "Du, das Gis, was Du gerade gesungen hast, war ein Viertel zu hoch!" - als Mutti so frei-weg sang. Dann, also in der Folge, sang Mutti nicht mehr gerne, eher selten. Ich zu ihr: "Sing bitte weiter!"
Auch sagte ich nach Aussage von meiner Schwester: "Du, das ist ein Des, was du gesungen hast, kein Cis." Sie: "Aber ist das denn einen halben Ton daneben?" Ich: "Nein, noch viel weniger als einen Viertelton!" - Ich soll das gesagt haben, weiß aber alles nicht mehr.
Vielleicht von ihrer Mutter gelernt: Lacheknust war der weiche Brotknust, Weineknust der harte am Ende.
Was sie noch gerne sagte: "Das ist ja ein Tag zum Mäusemelken." Ich glaube, das hieß: Es regnet ja nur. Es regnet in einer Tour.
Und so etwas Ähnliches: "Das ist ja ein müder Tag." Oder: "Müdes Wetter."
Ja, sie rezitierte lustige Sprüche wie: "Wer nie sein Brot im Bette aß, der weiß auch nicht, wie Krümel pieken."
Христос воскрес. воистину воскрес. Das heißt: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.
Großmutti
Die "Großmutti", die ich meine, kletterte auf Hochsitze, als sie 78 war.
Großmutti war eine ganz liebe Frau! Sie sagte gern ein bisschen mehr als nötig:
Sie sagte zu uns Kindern: "Ich gehe jetzt in die Küche, Mittagbrot machen."
Lustig, was meine Großmutter väterlicherseits geschrieben hat: "1000 GuKs" unter Briefen. Die Verwandtschaft übernahm das so. (Grüße und Küsse)
Lustig auch, was sie gesagt hat:
Großmutti Originalton: "Ganz leidlich." Sollte bedeuten: Es geht so. Oder: Geht wohl so. - Ich vermute, das ist schlesisch.
Großmutti sagte gerne: "Du musst noch einen Bedanke-mich-Brief an deine Mutter schreiben!"
Sie: "Immer mach!" - "Immer iss!"
Großmutti: "Wer hilft mir, die Äpfel abklauben?" - Oder: aufklauben.
Großmutti sagte zu Spinat Spisnat
Großmutti sagte von sich selbst: "Ich singe gebatikt." (Von Batik. Was das bedeuten sollte, finde selbst heraus.)
Großmutti sagte statt "Hatschi" "Hajuppti". - Und (so glaube ich) in einem anderen Zusammenhang: "Wupptich".
Großmutti: "Mir ist kalt an die Beine!"
"Das Weigelie" sprach sie so aus: " - 's Waigeli" (Betonung auf ai). Als ob die Weigelie eine sächliche Pflanze wäre ... (Kasus = Fall, Numerus = Ein- Mehrzahl, Genus = Geschlecht:
sächlich)
"Mechanik" sprach sie "Mechanick" aus. "
... knergelig ... " - was bedeutete: quengelig. So gibt es auch das Verb knergeln. Das kann aber auch aus Muttis Gedankengut stammen. Wie auch: "Jammerlappen".
Ich meine, es war Großmutti, die das lange Wort prägte: "Meerwasser-Hallenschwimmbad-Duschendrücker".
Über Großmutti wurde gesagt: "Seht doch, de olle Gake läuft noch Schlittschuh!" - Wir sagten später, weil wir hinreichend viel Kenntnis des Schlesischen hatten: "Seht doch, de olle Gake kaschjelt
noch auf der Luschje!"
Verschiedenes aus anderen Mündern
Watt denn, watt denn, dumme Schafe!? - Ein Hörspiel mit Herrn D aus dem Radio.
Von Karl: Man hat ja so seine Schwierigkeiten mit der Erika. - Ist das Ihre Verlobte? - Nein, das ist doch die Heide! - Ach, die aus dem Nachbardorf? - Na, nein, das ist doch das, was hier wächst! - Ah! Was war denn Ihre weiteste Reise? - Bis nach Lüneburg. - Mit der Bahn? - Nee, zu Fuß. Da isses ja kürzer.
Ein anderer Mensch in unserer Hannoverschen Nachbarschaft sagte früher solche Dinge: "Kümmern Sie sich ja um Sie sich!" - Und: "Glauben Se ja nich, wen Se vor sich haben!" In meiner Erinnerung schreibe ich diese Sprüche Günther Kössel zu.
